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Es folgt eine Abschrift des o. g. Zeitungsartikels der  WAZ / NRZ vom 7.01.1999:

  

Die Gang heizte auch schon Goldgräbern ein

Grafschafter Jazz-Musiker sind Botschafter des Niederrheins

Von Christian Icking

 

Schuld ist der Musiklehrer. Der trommelte 1958 vor seinen Schülern für den Dixieland. Und Schüler Erhard Miggo war gleich Feuer und Flamme für diese New-Orleans-Variante des Jazz. Griff zum Banjo, diesem fellbespannten Saiteninstrument, das wir aus amerikanischen Western-Komödien, aus Road-Movies und  aus der „Knoff-Hoff-Show“ des ZDF kennen. Gründete prompt seine erste Band, die „Real Stompers“:

Heute, 40 Jahre später, macht er immer noch mit Begeisterung den Banjoman. Mit der "Grafschafter Dixie Gang". Die gibt seit 20 Jahren den „Oldtime-Jazz vom Niederrhein“. Nicht nur in Moers und Umgebung. Sondern auch in Düsseldorf, Berlin und Castrop-Rauxel, in den Niederlanden, in Spanien und sogar im Mutterland des Jazz, den USA. Oldtime-Jazz vom Niederrhein. Mit diesem Motto „tun wir was für den Niederrhein“. Sagt Miggo und ist stolz darauf: „Wir tragen den Niederrhein nicht nur nach Deutschland, sondern in die Welt hinein.“

Der 55jährige Gang-Leader weiß dabei vier Herren im besten Mannesalter neben sich. Die spielen Trompete, Klarinette, Posaune und Sousaphon. Kein Schlagzeuger dabei?  „Nee“, sagt Miggo. „Hatten wir mal. Geht aber auch ohne“. Louis Armstrong sei mit seinen „Hot-Five“ schließlich auch immer ohne Rhythmus-Schläger ausgekommen. „Das ist authentisch. Und man ist mobiler“. Eigenwerbung: Klein im Platzbedarf, groß im Sound.

Damals, vor 20 Jahren, da hat Miggo, der Mann aus Neukirchen-Vluyn, eine Anzeige in dieser Tageszeitung aufgegeben: Dixieland-Musiker gesucht. Ein paar Wochen später gründete sich die Band: „Jazz geht´s los!“ Allesamt Leute aus der ehemaligen Moerser Grafschaft. Folgerichtig der Name: "Grafschafter Dixie Gang".

Die Jazz-Botschafter von Dixieland, Swing und New-Orleans sind Interpreten von Jelly Roll Morton, King Oliver, Harry James, Duke Ellington oder Louis Armstrong. Das sind Evergreens wie Tiger Rag, Stevedore Stomp, Down by the Riverside oder Ice Cream. Dixieland, das ist Lebensfreude. Fröhlicher als Blues, melodischer als der Free-Jazz und schwärzer als der Country-Rock.

Der Dixieland vom Niederrhein, das sei Dixieland zum Anfassen, sagen die Grafschafter. „Für jede Gelegenheit, für alle Fälle, für jung und alt“. Musik ohne elektrische Verstärkung, neudeutsch „unplugged“. Noch ´ne Eigenwerbung: „Stilecht, live und unverfälscht“. Die zwei Beamten und drei Ingenieure der Dixie Gang haben allerhand Auftritte vorzuweisen. Nicht nur am Niederrhein, sondern auch im In- und Ausland. In Rundfunk und Fernsehen. In Jazz-Kneipen, in Konzertsälen oder auf der Straße. Schon Tradition haben die alljährlichen Auftritte beim Moerser Weihnachtsmarkt.

Ihren wohl ungewöhnlichsten Gig hatte die Grafschafter Dixie Gang aber 1987. Bei der Weltmeisterschaft der Goldgräber in Tankavara, Finnland. Die Digger aus aller Welt hatten die Aufgabe, aus einem Kubikmeter Wasser, gemischt mit einem Eimer Sand, möglichst schnell fünf winzige Gold-Körnchen herauszuwaschen. „Das haben die meisten sogar geschafft“, wundert sich Miggo noch heute.

Die Grafschafter Dixie-Gäste nächtigten im Goldgräber-Camp und spielten zur  Siegerehrung auf.  „Das war das Highlight für uns“, sagt Miggo. Die Niederrheiner schürfen mehr als nur eine Handvoll Beifall. Da war auch die Dixie Gang in Goldgräberstimmung ...